2Grad Döteberg als VR Game?

2019 war das Geburtsjahr unserer Idee für ein Serious Game zum Thema Klimawandel. Und in den ersten Monaten, schwebte uns 2Grad Döteberg als ein VR Game vor. Mit unserem Game wollten und wollen wir einen emotionalen Zugang zu schaffen, der eine starke persönliche Identifikation mit dem Thema und der Geschichte ermöglicht. Und VR bietet die Chance, ein immersives Erlebnis zu gestalten, bei dem die Spieler*in in eine Geschichte eintaucht und etwas erlebt, was mit anderen Devices nur schwer zu erreichen ist. Doch VR hat einen entscheidenden Nachteil: der Zugang zu einem VR-Game ist stark eingeschränkt durch die geringe Verbreitung von VR-Brillen.

Die technische Qualität der VR-Brillen hat sich in den letzten Jahren verbessert aber das hat trotzdem noch nicht zu einer großen Marktdurchdringung geführt, wie es in dem Anfangshype zu VR vorhergesagt wurde. Auch wurde die Entwicklung von VR Games und Anwendungen, die jeder/jede mit einem normalen Mobiltelefon in Verbindung mit einer einfachen und preiswerten Halterung wie der Samsung Gear VR, leider eingestellt, so dass VR eine große Barriere bezüglich der Nutzung bedeutet. Gerade bei unser angestrebten Zielgruppe Kinder und Jugendliche würde das ein nicht so einfach zu lösendes Problem darstellen. 

Während der Konzeptentwicklung für 2Grad Döteberg in dem letztem Jahr mussten wir nun die Vorteile, die diese Technik mit sich bringt, und die oben skizzierten Nachteile zu untersuchen, gegeneinander abzuwägen und dann eine fundierte Entscheidung für oder gegen VR zu treffen. Dafür wollten wir zwei VR-Brillen mit dem neuesten Stand der Technik kaufen. Parallel zum Start unserer Konzeptentwicklung hatte Facebook bzw. Oculus mit der Oculus Quest 2 eine Standalone VR-Brille mit deutlich verbesserter Technik angekündigt. Dieses neue, sehr vielversprechende Gerät hatte jedoch erstmal einen großen Nachteil, denn aufgrund einer nicht geklärten Auseinandersetzung bei der Zulassung der Brille, war die Quest 2 in Deutschland nicht zu bekommen. Zum Glück gelang es uns dann, zwei Geräte über den Umweg Großbritannien zu beziehen.

Mit den neuen Brillen und der Anmeldung mit einem Facebook Konto (das war der strittige Punkt für die Zulassung der Brille in Deutschland, denn für die Nutzung des Geräts ist zwingend eine Registrierung mit Facebook, zu dem Oculus gehört, nötig) haben wir in der ersten Zeit intensiv VR Games und Anwendungen ausprobiert, die uns für die Fragestellung “VR oder nicht” wichtige Erkenntnisse liefern sollten. 

Zuerst konzentrierten wir uns auf storybased VR Games wie “Wolves in the Walls”, “Paper Birds: Part I” und “Traveling while Black”. Jeder Titel leistete auf seine Weise etwas Besonderes und Einzigartiges: “Wolves in the Walls” die faszinierende Möglichkeit mit dem Hauptcharakter in einen Dialog zu treten, Teil der Geschichte zu sein, “Paper Birds” die Verbindung von Story und Emotion und “Traveling while Black” einen dokumentarischen Einblick in Schicksale, der eher an eine persönliche Begegnung erinnert als an das Schauen eines Films.

Doch trotz anfänglicher Begeisterung für die Möglichkeiten der Technik machte sich nach einigen Tagen und Wochen eine zweite Hürde immer mehr bemerkbar, die mit der Nutzung von VR zusammenhängt. Selbst wenn man die Technik zur Verfügung hat und weiß, was sie Begeisterndes leisten kann, ist es umständlich sie zu nutzen. Anders als ein Game, das man nach kurzer Zeit der Vorbereitung direkt auf einer Konsole oder dem Mobiltelefon spielen kann, erfordert das Spielen mit einer VR-Brille mehr Vorbereitungszeit: Ort suchen, Brille aufsetzen, Umgebung definieren, Spiel starten. Was sich hier relativ einfach anhört, war für uns in der Praxis doch ein Hemmnis und ein Grund, doch eher zum Tablet, Mobiltelefon oder Konsole zu greifen, wenn wir mal – losgelöst von der Konzeptentwicklung – in unserer Freizeit spielen wollten. Und das war eine persönliche Erfahrung, die uns auch das Thema “VR” kritisch hinterfragen ließ. Trotzdem konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch immer keine definitive Entscheidung für oder gegen VR fällen.